Autorin: Rebecca F. Kuang
Verlag: eichborn
Seitenzahl: 738 Seiten
Zeitraum: 17.08. - 31.08.
Bewertung: 4 Sterne
Einzelband
Inhalt:
1828. Robin Swift, den ein Cholera-Ausbruch im chinesischen Kanton als Waisenjungen zurücklässt, wird von dem geheimnisvollen Professor Lovell nach London gebracht. Dort lernt er jahrelang Latein, Altgriechisch und Chinesisch, um sich auf den Tag vorzubereiten, an dem er in das Königliche Institut für Übersetzung der Universität Oxford - auch bekannt als Babel - aufgenommen werden soll.
Oxford ist das Zentrum allen Wissens und Fortschritts in der Welt. Für Robin erfüllt sich ein Traum, an dem Ort zu studieren, der die ganze Macht des britischen Empire verkörpert.
Denn in Babel wird nicht nur Übersetzung gelehrt, sondern auch Magie. Das Silberwerk - die Kunst, die in der Übersetzung verloren gegangene Bedeutung mithilfe von verzauberten Silberbarren zu manifestieren - hat die Briten zu unvergleichlichem Einfluss gebracht. Dank dieser besonderen Magie hat das Empire große Teile der Welt kolonisiert.
Für Robin ist Oxford eine Utopie, die dem Streben nach Wissen gewidmet ist. Doch Wissen gehorcht Macht, und als chinesischer Junge, der in Großbritannien aufgewachsen ist, erkennt Robin, dass es Verrat an seinem Mutterland bedeutet, Babel zu dienen. Im Laufe seines Studiums gerät Robin zwischen Babel und den zwielichtigen Hermes-Bund, eine Organisation, die die imperiale Expansion stoppen will. Als Großbritannien einen ungerechten Krieg mit China um Silber und Opium führt, muss Robin sich für eine Seite entscheiden ...
Aber kann ein Student gegen ein Imperium bestehen?
Meine Meinung:
Der Klappentext von „Babel“ hat mich total neugierig gemacht, weil die Geschichte einfach so interessant und einzigartig sowie nach einer spannenden Mischung aus Historie und Magie geklungen hat.
Vorher kannte ich noch keine Geschichte von Rebecca F. Kuang, weshalb ich auch gespannt auf ihren Schreibstil war. Dieser hat sich wirklich gut lesen lassen und mich meistens auch leicht durch die Story getragen. Zwar konnte er mich nicht so fesseln, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, doch ist nach und nach eine wirklich schöne Bindung zu den Charakteren entstanden und fand ich besonders auch die Beschreibungen immer sehr treffend und bildlich. Ganz besonders mochte ich auch die Fußnoten, die manchmal noch etwas Humor und manchmal einfach spannende Informationen mit sich gebracht haben. Das gesamte Setting konnte mich total faszinieren. Babel selbst war einfach eine super spannende Konstruktion und wird der Turm im Laufe der Geschichte mit immer mehr Bedeutung gefüllt. Doch auch Orte wie Oxford und Kanton fand ich sehr interessant zu besuchen.
Die Charaktere waren mindestens genauso spannend.
Wir begleiten Robin über viele Jahre, durch die stärksten Veränderungen, in ein neues Leben und bei einer Entwicklung, die viele Höhen und Tiefen hat. Er war nicht immer ein super sympathischer Charakter, doch war er für mich total nahbar. Für ihn ist es nicht einfach einen richtigen Platz zu finden und muss er mit vielen Zwiespalten zurechtkommen. Seine Zerrissenheit war in den meisten Momenten so greifbar, wodurch auch seine Entscheidungen, egal wie gut oder schlecht sie sein mochten, nachvollziehbar wurden. Robin war so menschlich, sieht sich selbst mit so vielem konfrontiert, was ihn oft überfordert, und möchte doch zwischen all dem vor allem eins: Leben und Überleben.
Und dann waren da Ramy, Victoire, Letty, Anthony, Griffin, Professor Lovell… alle so spannende Charaktere mit ihren eigenen Geschichten, zu denen ich zumindest teilweise eine echt gute Verbindung aufbauen konnte. Manche lernen wir besser kennen, manche weniger, aber war die Figurenpalette so besonders und vielfältig, dass ich sie nur lieben konnte.
Von Beginn an hat sich die Geschichte echt gut lesen lassen und war ich einfach sofort fasziniert von ihrem Konzept. Sie zeigt auf eine einzigartige Weise die Macht der Worte, beschäftigt sich mit dem Kolonialismus, einem extremen Machtgefälle, Widerstand und Wissen. Die Mischung aus Historie und Magie hat mir so gut gefallen und hat eigentlich alles miteinander funktioniert, auch wenn es nicht immer bis auf das Kleinste durchdacht war. Auch wenn ich die Thematik von Beginn an spannend fand, hat es aber ein wenig gebraucht, bis mich die Geschichte so richtig fesseln konnte. Zwar wurde es nicht unbedingt langweilig, aber hat sich für mich stellenweise schon ein wenig gezogen, da auch oft kleine Details ihren Platz in der Story finden. Doch dann kam die Handlung an einen Punkt, an dem einiges enthüllt wird und die Ereignisse mehr Fahrt aufnehmen. Das war auch der Moment, in dem mich das Buch dann richtig mitreißen konnte, obwohl es auch dann nicht das leichteste oder entspannteste Buch zum Lesen war. Die Inhalte der Handlung, die Entwicklung der Charaktere und auch die ihrer Beziehungen und das Zusammenspiel der verschiedenen Handlungsstränge haben einfach so viel Spannung und auch Emotionen mit sich gebracht. Und auch, wie sich alles gegen Ende entwickelt, konnte mich überzeugen, weil es in meinen Augen einfach perfekt zur Geschichte und den Charakteren gepasst hat.
Fazit: „Babel“ ist auf jeden Fall ein Buch, an das ich noch das ein oder andere Mal zurückdenken werde. Und das vor allem im Positiven! Eine Geschichte über die Macht und Magie der Worte, voller Spannung und interessanter Themen, wenn auch manchmal etwas schwerfällig, und mit Charakteren, die mich genau wie das Setting total faszinieren konnten.
Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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